Faktenzoom – Ein mutiges Projekt

13301544_1144999582224265_226395597331398824_o

Mit derart viel Beachtung hatten wir nicht gerechnet. Von Sat1 über Focus Online und Radio Bremen bis hin zur taz berichteten Medien bundesweit über Faktenzoom, das neueste Projekt der Kölner Journalistenschule. Die meisten Berichte waren positiv, aber es gab auch Kritik. Faktenzoom sei „Murks“, urteilte der Medienkritiker Stefan Niggemeier. Das sehen wir anders.

Mit Faktenzoom haben unsere Studenten ein mutiges Projekt gestartet. Es setzt sich mit einem Thema auseinander, das offenkundig viele Menschen interessiert, der Frage nämlich, wie genau es Politiker bei ihren Talkshowauftritten mit der Wahrheit nehmen. Das Ergebnis, das unsere Schüler zutage fördern, gefällt nicht jedem, auch deshalb hagelte es Kritik. Das müssen wir aushalten.

Faktenzoom hat etwas bewegt, etwas in Gang gesetzt. Es ist ein Versuch, sich der Frage, ob man Politikern ohne weiteres Glauben schenken kann oder nicht, durch Recherche zu nähern statt mit Parolen. Die Debatte darum wird weitergehen. Dazu haben wir einen Teil beigetragen, und darauf sind wir stolz.

Faktenzoom ist keine wissenschaftliche Studie, sondern ein journalistisches Projekt. Als solches ist es durchdacht und gut umgesetzt. Der Ansatz unserer Schüler, Aussagen in bestimmte Kategorien einzuordnen (etwa in „Nicht prüfbar“ oder in „Tatsachenbehauptung“), ist nachvollziehbar. Auch die Übersetzung der mündlichen Aussagen in den Talkshows in schriftliche Behauptungen auf der Website ist legitim. Schließlich steckt in manchem vor laufender Kamera geäußerten Satz ein halbes Dutzend Behauptungen, die einzeln überprüft werden müssen. Die Transparenz des Projekts loben selbst Kritiker: Jeder Politiker hat die Behauptungen, deren Wahrheitsgehalt angezweifelt wurde, vorab zur Stellungnahme erhalten, und das sowohl in der wörtlich geäußerten Version als auch in der schriftlichen Fassung. Alle Aussagen und Bewertungen sind auf der Website des Projekts einsehbar.

Aber auch das sei hier gesagt: Faktenzoom ist nicht perfekt. Unter den mehr als 700 überprüften Aussagen gibt es einige, bei denen Spielraum für Interpretationen bleibt. Es gibt schriftliche Versionen mündlicher Aussagen, die man besser hätte formulieren können. Und auch über die Einordnung mancher Aussage in eine bestimmte Kategorie (etwa in Tatsachenbehauptung oder Allgemeinwissen) kann man streiten. Das könnte übrigens auch dazu führen, dass Aussagen, die bislang nicht bewertet wurden oder als „wahr“ erkannt wurden, nunmehr als „falsch“ eingestuft werden. Dies nur am Rande.

All diese Themen sind uns bewusst, und wir reagieren darauf. Sofern es Fehler in der Recherche oder der Aufbereitung der Daten gegeben hat, wurden und werden diese auf der Faktenzoom-Website korrigiert. Auch darüber hinaus nehmen wir die Kritik, die an unserem Projekt geäußert wurde, sehr ernst. Wir werden einige unserer Kritiker an die Schule einladen, um mit ihnen darüber zu diskutieren, wie man ein solches Projekt verbessern und weiter entwickeln könnte. Denn wir glauben an die Idee, die unsere Studenten hatten und halten sie für wichtig.

Die Leitung der Kölner Journalistenschule